25. Juni 2026 · 1 Min. Lesezeit
Aus einem Faden: Wie eine Mochila entsteht

Eine Mochila ist die Arbeit einer einzigen Person über Wochen hinweg. Der Korpus wird nicht gewebt, wie oft angenommen, sondern gehäkelt — mit der Häkelnadel als einzigem Werkzeug, in einer besonderen Form des sogenannten Tapisserie-Häkelns.
Begonnen wird in der Mitte des runden Bodens. In konzentrischen Runden wächst er nach aussen — die Weberinnen nennen das den crecido — dann geht es ohne weitere Zunahmen gerade nach oben zum Zylinder. Der Boden ist der dichteste Teil, damit die Tasche von allein steht. Die Muster, die kanas, entstehen, indem bei jeder Masche die Farbe gewechselt und der ruhende Faden im Inneren mitgeführt wird. Kein Druck, keine Schablone.
Man unterscheidet zwei Techniken: una hebra (ein Faden) und dos hebras (zwei Fäden). Einfädig gehäkelt wird das Gewebe feiner, dichter und leichter, behält seine Form und steht aufrecht — es ist die aufwändigere und höher geschätzte der beiden Arten und braucht ungefähr die doppelte Zeit.
Der Riemen ist ein eigenes Handwerk. Die breite gasa wird getrennt vom Korpus auf einem kleinen Webstuhl gewebt (Technik paleteada) und anschliessend von Hand an beiden Seiten angenäht. Die Kordel zum Schliessen wird von Hand gedreht und endet in Quasten (borlas). Eine fertige Mochila vereint also drei Techniken in einem Stück.
Je nach Grösse und Musterdichte vergehen etwa zwei bis vier Wochen für eine einzige Tasche. Genau deshalb ist jede ein Unikat — und wird als Handwerk bewertet, nicht als Massenware.